Kultur bei der Schlaraffia in Friedberg ist Eigenleistung: Mittwochs um 20 Uhr tragen die Mitglieder der Nauinheimbia Wettereiba aurea im Dicken Turm eigene Vierzeiler, Limericks, Mundartstücke, Vorträge und Lieder vor, mal am Flügel, mal im Wettstreit um einen Orden. Gäste hören zu, und niemand erwartet von ihnen einen Beitrag.
Theaterleute am Gründungstisch
Dass Kunst in diesem Reych zu Hause ist, liegt in seiner Herkunft. Als sich 1911 in Bad Nauheim zur Kur weilende Schlaraffen zu einer Krystalline zusammensetzten, saßen ortsansässige Theaterkünstler mit am Tisch. Nach der Sanktion folgte ein glückliches Jahrzehnt, an das sich die Chronik als Zeit bestechender Meister des Wortes, der Kunst und der Musik erinnert. Heute bestimmt die Pflege der Kunst in ihren mannigfaltigen Ausprägungen das Geschehen, und jede Winterung bringt einen bunten Strauß von Sippungen mit eigenem Thema.
Gefechst wird auch auf Hessisch
Fechsung nennen Schlaraffen den eigenen Beitrag, und im Dicken Turm darf er Mundart sprechen. Beim Mundartturney um den Handkäsorden wird auf Hessisch vorgetragen, und auf den Tisch kommt Handkäs mit Musik, wie es sich in der Wetterau gehört. Bei der Ringsippung geht der Vortrag reihum: Jeder ist dran, gefragt sind Vierzeiler und Limericks, kurz, gereimt und möglichst ohne Rücksicht. Weitere Wettstreite gelten der Proppenkette und dem Glukullusorden. Und manche Stichworte erheben das Danebenliegen zur Kunst: „Auf dem Holzweg“ zu sein ist draußen ein Missgeschick, im Turm dagegen die ausdrückliche Aufgabe.
Flügel, Feuerzangenbowle und ein Dichter
Musik bekommt eigene Abende. Unter „Viva la musica“ klingt das Reych mehr, als es redet, und vor Weihnachten wird mehr gesungen als gesprochen, ohne dass jemand die Tonlagen prüft. Zur Feuerzangenbowle feiern die Ordensritter vom blauen Uhu, und die Frage, was eine Dampfmaschine sei, bleibt mitunter offen. Literarisch hat das Reych einen prominenten Bezug: Den Ehrenschlaraffen Cornet, hinter dem sich Rainer Maria Rilke verbirgt, ehrt die Nauinheimbia mit einem eigenen Abend. Ob dabei aus dem „Cornet“ zitiert oder eigenes gedichtet wird, entscheiden die Sassen.
Zwischen Mikwe und Jugendstil
Friedberg und Bad Nauheim haben selbst viel Kultur zu bieten: die Burganlage mit dem Adolfsturm, die mittelalterliche Mikwe, das Wetterau-Museum und in Bad Nauheim den Sprudelhof, an dem Künstler der Darmstädter Künstlerkolonie mitwirkten. Im Konzertsaal des Kurhauses mit seinen Jugendstilmalereien feiert das Reych seine Stiftungsfeste. Seine Burg ist ein Kulturdenkmal des Landes Hessen, ein Geschützbollwerk aus der Zeit um 1500, und am Tag des offenen Denkmals stehen seine Tore allen offen. An den Mittwochabenden füllt die Nauinheimbia das Gemäuer mit Kunst, die erst im Augenblick entsteht. Mehr über das Bauwerk steht auf der Seite Der Dicke Turm.
Zuhören genügt
Als Gast müssen Sie nichts können und nichts vortragen. Die Themen der kommenden Mittwoche finden Sie unter Veranstaltungen, alles zu Anmeldung, Kosten und Ablauf in den häufigen Fragen. Was die Schlaraffen überall auf der Welt verbindet, erklärt schlaraffenfreunde.de unter Schlaraffia für Neueinsteiger.
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