Die Burg dieses Reyches ist kein Vereinsheim mit Geschichte, sondern ein eingetragenes Baudenkmal mit amtlichem Datenblatt: der Dicke Turm, Vorstadt zum Garten 1 in Friedberg — ein Geschützbollwerk der Reichsburg aus der Zeit um 1500, Kulturdenkmal des Landes Hessen, und seit den zwanziger Jahren Uhunest der Schlaraffia Nauinheimbia.
Ein Bollwerk der Zeit um 1500
Der Dicke Turm entstand um 1500 — zu einer Zeit, als Mauern nicht mehr nur gegen Leitern, sondern gegen Kanonen halten mußten. Das sieht man ihm an: rund zwanzig Meter hoch, im Grundriß ein massiger Zylinder aus Bruchstein, die Mauern über fünf Meter stark. Im Inneren liegen zwei Kuppelräume übereinander, deren Gewölbe an die zehn Meter messen.
Die amtliche Beschreibung des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen nennt ihn ein „Bollwerk der Zeit um 1500, das ursprünglich an den Zwinger auf der Südseite der Burg angebunden war“. Daß der Turm heute frei und für sich allein steht, ist das Ergebnis eines profanen Vorgangs: „Erst die neue Straßenführung in der Umgebung der Burg, die 1840/41 vorgenommen wurde, schnitt den Turm von den übrigen Wehranlagen der Burg ab.“ Ohne diesen Eingriff hätte es hier nie ein Uhunest gegeben.
Die Nachbarschaft: die Friedberger Burg
Der Turm gehörte zur Wehr der Friedberger Burg, und das ist keine kleine Nachbarschaft: Die Burganlage umfaßt 3,9 Hektar und zählt damit zu den größten Deutschlands. Gegründet wurde sie vermutlich zwischen 1171 und 1180 im Auftrag Kaiser Friedrich Barbarossas, erstmals urkundlich erwähnt am 26. Oktober 1216 als „Wridburg“. Ihr Bergfried, der Adolfsturm, mißt 54,42 Meter und wurde aus dem Lösegeld für Graf Adolf von Nassau bezahlt, den die Friedberger Burgmannen 1347 gefangengenommen hatten. Die doppelte Umwehrung aus dem 14. bis 16. Jahrhundert ist vollständig erhalten. Ihre staufische Verfassung behielt die Burggrafschaft bis 1806; 1846 starb mit Sigmund Löw von und zu Steinfurth der letzte Burgmann.
Vorstadt zum Garten 1
Ein Umstand gefällt uns besonders: Die Anschrift des Reyches lautet bis heute Vorstadt zum Garten 1 — die Anschrift der alten Vorstadt, deren Gelände einst zur Reichsburg gehörte. Wer zu uns einreytet, steht also auf einem Stück Burgareal, auch wenn die Straße von 1840/41 dazwischenliegt.
Wie der Turm zur Burg wurde
Daß aus diesem Turm eine Burg wurde, verdankt das Reych zwei Sassen: Rt Luginsland der Burgfechser erkannte 1926, was in dem Gemäuer steckte — er war von Berufs wegen Architekt und sah, was andere übersahen. Und Rt Drahtkraft sorgte dafür, daß der Turm in schlaraffische Hand kam.
Was dabei entstand, ist genauer und besser als ein Kauf. Das Bauwerk gehört als Bestandteil der Burganlage dem Land Hessen. Die Nutzung durch das Reych ist durch einen Erbbaurechtsvertrag bis a. U. 185 — dem profanen Jahr 2044 — gesichert. Ein Recht mit Ablaufdatum ist kein Besitz, aber es ist ein Versprechen über Generationen, und es verpflichtet: Der Turm muß instand gehalten werden. Deshalb wurde er mehrfach saniert und die Vorburg mit Krystallinenraum und Schenke mit erheblichem Aufwand umgebaut. Heute zeigt das Bruchsteinmauerwerk der Vorburg wieder seine Baugeschichte, und im Turm hängen Wappen, Banner und Orden aus hundert Jahren.
Kulturdenkmal des Landes Hessen
Der Dicke Turm ist aus geschichtlichen Gründen als Kulturdenkmal nach § 2 Absatz 1 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen eingetragen. Die amtlichen Angaben:
- Denkmalnummer 5749
- Lage Vorstadt zum Garten 1, Friedberg (Hessen), Flur 3, Flurstück 63/1
- Zugehörigkeit Teil der Gesamtanlage Burgareal, die als solche ebenfalls unter Denkmalschutz steht
- Datenblatt DenkXweb, Objekt 5749, Landesamt für Denkmalpflege Hessen
- Wikidata Q111028540
Für ein Reych ist das mehr als eine Formalie. Es bedeutet, daß die Angaben dieser Seite nicht auf Überlieferung angewiesen sind, sondern auf ein amtliches Verzeichnis verweisen können — und es bedeutet, daß jede Änderung am Bauwerk mit der Denkmalpflege abgestimmt sein will.
Kein öffentliches Gebäude
Der Turm ist kein öffentliches Gebäude. Einmal im Jahr allerdings, am Tag des offenen Denkmals, öffnen wir die Tore für alle, die schon immer wissen wollten, was hinter dieser Mauer steckt.
Die Angaben zum Bauwerk folgen dem Denkmalverzeichnis des Landes Hessen (DenkXweb, Objekt 5749) und den Angaben zur Burg Friedberg; die schlaraffischen Angaben sind im elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchiv belegt. Vier Punkte sind offen und stehen deshalb hier und nicht im Text: Die Bauzeit — amtlich „um 1500“, eine burgenkundliche Darstellung nennt 1498 für den Bau des Geschützbollwerks, eine frühere Fassung dieser Seite nannte 1492 bis 1495; liegt für die genauere Spanne eine Bauakte vor, nennen wir sie gern. Die Mauerstärke — „über fünf Meter“ deckt die vorliegenden Angaben, eine weitere Quelle spricht von knapp sechs Metern; wir runden nicht auf. Die Rechtsstellung — das Archiv belegt den Erbbaurechtsvertrag bis 2044, die profane Presse berichtet von einem 1926 unterzeichneten Vertrag; welche Fassung heute gilt, ist beim Reych zu erfragen. Die Himmelsrichtung — das Denkmalverzeichnis bindet den Turm an den Zwinger auf der Südseite der Burg; eine frühere Fassung dieser Seite sprach von einem nördlichen Zugang. Daß der alte Burgzugang über die Vorstadt zum Garten führte, ist in den hier eingesehenen Quellen nicht nachgewiesen. Und schließlich: Ob im Turm seit 1926 oder seit 1927 gesippt wird, geben die eigenen Unterlagen unterschiedlich an.